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1. Juni 1962, Eichmann Tag

Das zwischen mir und den Eichmanns ist bis heute eine Privatangelegenheit, ich habe einige von ihnen persönlich kennen und schätzen gelernt. Als Adolf in Israel hingerichtet wurde, war ich ein drei Monate alter Embryo im Bauch meiner Mutter Gisela. Vielleicht trage ich inzwischen mehr oder weniger unfreiwillig einen oder mehrere seiner Dämonen. Als junger Mann zum ersten Mal auf Suche nach Heimat außerhalb des Elternhauses habe ich unter vielen anderen Studenten, Arbeitern, Juden, Hausbesetzern, Anarchisten und Sanyassins auch Eichmanns kennen gelernt. Sie waren und sind Buchhändler, Hausfrauen, Mütter, Makler, Sekretärinnen, Katholiken und Archäologen, keine Politiker. Sie lebten damals eher bescheiden in kleinbürgerlichen kleingroßstädtischen Verhältnissen in größeren Mietskasernen. Seine lange verstorbene hinterbliebene Frau und eine Enkelin liebe ich noch heute und denke ab und zu gerne an gemeinsame Zeiten zurück. Ein Teil von mir bleibt für immer bei ihr wie auch ein Teil von ihr bei mir, auch wenn ich nicht weiß, was sie jetzt macht, mit wem sie sich verbündet hat und ob sie überhaupt noch lebt. Zuletzt hat sie mit der Linken sympathisiert und wollte mit mir als Kind, Bürger und Botschafter Zions nichts mehr zu zun haben.

Seit 1962 dieses Jahr zum 55. Todestag von Adolf Eichmann, von israelischen und oder jüdischen Nazis und Mitwissern in Argentinien als Geisel geraubt und nach Israel verschleppt, dort angeklagt, verurteilt und aufgehängt.

Auf seinen Bildern vom Gerichtsprozess in Jerusalem sieht man ihn nur alleine gegen den Rest der Welt, ohne Freunde und Verteidiger. Auch seine Familie, für die er bis zum Schluss mehr oder weniger treu gesorgt zu haben scheint, konnte oder durfte nicht an seiner Seite stehen.

Was auch immer Böses er getan haben mag, er hat Verantwortung dafür getragen, mit seinem Leben dafür bezahlt und in meinen und Jehovahs Augen ausreichend gesühnt. Es besteht für mich kein Grund, ihn oder seine Angehörigen wegen dieser Nazigeschichten weiter zu verfluchen oder zu verdammen. Für mich sieht es so aus, als ob er für andere größere vielleicht sogar israelische, jüdische, deutsche, argentinische und oder internationale Sünder ein Bauernopfer oder den Sündenbock spielen musste.

Auch ich sehe nicht ein, warum ich mir ihretwegen von irgend jemand Vorwürfe oder Feindschaft gefallen lassen sollte.

Bilder hier. Er könnte selbst Jude oder Kanaaniter gewesen sein, wie unsere Namensgeberin die anscheinend von Griechen entführte sidonische Prinzessin Europea, vielleicht ohne sich dessen bewusst gewesen zu sein.

Ist dieser Kleintier- und Geflügelzüchter hassenswert? Der will doch am liebsten auch nur mit seinem Kaninchen spielen.

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